{"id":9192,"date":"2023-12-13T12:46:00","date_gmt":"2023-12-13T11:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/test.asta-hannover.de\/?p=9192"},"modified":"2024-04-09T12:56:19","modified_gmt":"2024-04-09T10:56:19","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/vortragsreihe-die-uni-im-kapitalismus\/","title":{"rendered":"","raw":""},"content":{"rendered":"","protected":false,"raw":""},"excerpt":{"rendered":"","protected":false,"raw":""},"author":5,"featured_media":9193,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_de_post_content":"<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Teil 1: Zur politischen \u00d6konomie des b\u00fcrgerlichen Wissenschaftsbetriebs<\/h3>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><br>Montag, 04.12.2023, 19 Uhr<br>Elchkeller, Schneiderberg 50 (neben der Hauptmensa)<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><br>Wer an der Uni studiert oder lehrt, sollte sich nicht nur \u00fcber die eigenen pers\u00f6nlichen Interessen an ihr und in ihr im klaren sein, sondern auch auf die Zwecke reflektieren, die der Staat verfolgt, wenn er Universit\u00e4ten einrichtet, finanziert und ausstattet sowie gesetzlich reguliert. Er bestimmt die Aufgaben und Ziele sowie die materiellen Bedingungen des Wissenschaftsbetriebs und unterwirft dessen Funktionen seiner je aktuellen Staatsr\u00e4son. Die schlie\u00dft im Kapitalismus bekanntlich die permanente Steigerung des Wirtschaftswachstums als notwendiges Erfordernis f\u00fcr eine gedeihliche Entwicklung der Gesellschaft wie der Staatsmacht selber ein. Diesem Imperativ folgt daher auch jede besondere Spielart von Bildungs- und Wissenschaftspolitik, die von den wechselnden Regierungen ins Werk gesetzt wird. Dieser erste Vortrag von dreien (s.u.) erkl\u00e4rt die Funktionen des wissenschaftlichen Forschungsbetriebs f\u00fcr Kapital und Staat und erl\u00e4utert, warum die Einzelkapitale, die die gesellschaftlichen Hauptnutzer der Resultate der Wissenschaft sind, sie dennoch<br>auf gesellschaftlichem Ma\u00dfstab nicht selbst organisieren k\u00f6nnen. Warum muss der Staat, als von der \u00f6konomischen Sph\u00e4re getrennte, politische Gewalt,<br>einen \u00f6ffentlichen Wissenschaftsbetrieb betreiben? Wie bewirkt er, dass verl\u00e4sslich in seiner Gesellschaft geforscht und entwickelt wird, so dass stets neue, immer<br>produktivere Produktionstechnik zur Verf\u00fcgung steht, mit der das nationale Gesamtkapital seine Akkumulation beschleunigen kann? Welche Rolle spielen dabei<br>die grundgesetzliche Garantie der Freiheit der Wissenschaft sowie das Patentrecht? Welche gesellschaftlichen Interessengegens\u00e4tze ergeben sich aus der Art, wie der<br>Forschungsbetrieb organisiert wird?<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Teil 2: Zur gesellschaftlichen Funktion der Studenten<\/h3>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><br>Montag, 11.12.2023, 19 Uhr<br>Elchkeller, Schneiderberg 50 (neben der Hauptmensa)<br><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Wenn Studenten gegen die Unterfinanzierung der Unis, schlechte Studienbedingungen, geringe BAF\u00f6G-S\u00e4tze etc. protestieren, argumentieren einige von ihnen \u2013 zum Gl\u00fcck nicht alle \u2013 damit, dass es sich bei ihnen um die k\u00fcnftigen Leistungstr\u00e4ger der Nation handelt, um hochqualifizierte Arbeitskr\u00e4fte, auf die die deutsche Wirtschaft und die staatliche B\u00fcrokratie jederzeit angewiesen sind. Es k\u00f6nne doch nicht im Interesse der Politik sein, diese \u201eHumanressource\u201c stiefm\u00fctterlich zu behandeln oder ihre bestm\u00f6gliche Entwicklung zu behindern. Damit wird unterstellt, es gebe ein gemeinsames, kongruentes Interesse von Staat und Studenten. W\u00e4hrend jeder einzelne der Studierenden ein Interesse an m\u00f6glichster Erleichterung seiner Ausbildung hat, zielt der Staat jedoch darauf ab, bestimmte Mengen an spezifisch qualifizierter Arbeitskraft dem Arbeitsmarkt zuzuf\u00fchren, und dabei ist es ihm gleichg\u00fcltig, ob Harry oder Hermione zu den Absolventen mit Lizenz zur Berufsaus\u00fcbung geh\u00f6ren. Zum \u201eHumankapital\u201c der Nation geh\u00f6ren nur diejenigen, die tats\u00e4chlich als Arbeitskr\u00e4fte fungieren, alle \u00dcberfl\u00fcssigen sind Kostenfaktoren f\u00fcr Staat und Gesellschaft, in deren Ausbildung zu investieren sich nicht lohnt. Der Staat organisiert daher auch nicht \u201eBildung f\u00fcr alle\u201c an seinen Schulen und Hochschulen sondern die Konkurrenz der Sch\u00fcler und Studenten um den Erwerb von Arbeitslizenzen, und er betreibt deren Selektion mit einem mehrgliedrigen Schulsystem, mit Noten, Zeugnissen, Zertifikaten und akademischen Graden.<br>Das Partikularinteresse der einzelnen Studenten an guter Ausbildung und das Staatsinteresse an der Befriedigung des Bedarfs von Wirtschaft und Verwaltung an gen\u00fcgendem, spezifisch qualifiziertem Arbeiternachwuchs divergieren also generell und stehen im Einzelfall gegen einander. In jedem Fall betrachtet die herrschende<br>Politik die Gesamtheit der Bev\u00f6lkerung vom Standpunkt der Staatsr\u00e4son und behandelt sie als Menschenmaterial, das es effizient einzusetzen gilt f\u00fcr den Erfolg der eigenen Nation in der Weltmarktkonkurrenz.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Teil 3: Wissenschaftlicher Pluralismus, die Freiheit der Lehre und ihre Einschr\u00e4nkungen<\/h3>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><br>Montag, 18.12.2023, 19 Uhr<br>Elchkeller, Schneiderberg 50 (neben der Hauptmensa)<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><br>In den Naturwissenschaften gilt der strenge Begriff der Wissenschaft praktisch. Diese finden Naturgesetze, die die beobachtbaren Ph\u00e4nomene mit strenger Allgemeinheit und Notwendigkeit regulieren und die sich widerspruchsfrei in ein System des Wissens einf\u00fcgen. Die Ingenieurwissenschaften beweisen durch ihre technologische Forschung handgreiflich, dass man auf Basis der theoretischen Einsichten in die Naturgesetze und mittels der Herstellung spezifischer Randbedingungen f\u00fcr die Bet\u00e4tigung von Naturkr\u00e4ften Produktionsmittel bauen kann, mit denen man planm\u00e4\u00dfig Naturkr\u00e4fte auf Arbeitsgegenst\u00e4nde wirken lassen und automatisiert identische Massenfabrikate erzeugen kann. Die Geltung des klassischen, objektiven Wahrheitsbegriffes, die<br>\u00dcbereinstimmung des Denkens mit seinem Gegenstand oder dass das Denken schlichtweg \u201estimmt\u201c, wird hier tagt\u00e4glich vorgef\u00fchrt. In den Geistes- und Sozialwissenschaften haben sich dagegen subjektivistische und relativistische Begriffe von \u201eErkenntnis\u201c durchgesetzt, die sich mit dem blo\u00dfen F\u00fcrwahrhalten zufrieden geben: Was wahr sei, sei erstens abh\u00e4ngig von der Stellung<br>des Subjekts zur Sache, zweitens ein historisch zuf\u00e4lliger Konsens einer Mehrheit, der jeweils Minderheiten mit abweichenden Meinungen gegen\u00fcberstehen, drittens stets ver\u00e4nderlich und also gar nicht objektiv bestimmbar. Dass die vielen subjektiven \u201ePerspektiven\u201c auf die Dinge oft im Widerspruch zueinander stehen und unvereinbare Begriffe der Sache hervorbringen, st\u00f6rt diese GeWis und SoWis nicht. Ihre wechselseitige Kritik richten sie statt auf die Stimmigkeit der Begriffsbestimmungen auf die Frage, ob die gew\u00e4hlte \u201eMethode\u201c eingehalten wurde. Statt Wahrheit gen\u00fcgt Folgerichtigkeit, statt Objektivit\u00e4t der Erkenntnis die Plausibilit\u00e4t der Pr\u00e4sentation, die ihrerseits abh\u00e4ngt von dem zuf\u00e4lligen bias des Rezipienten der Theorie. Den Mangel<br>an verbindlicher Erkenntnis verfabeln sie zur ad\u00e4quaten Realisation der Freiheit des Geistes, wie sie der b\u00fcrgerlichen Demokratie gut zu Gesicht stehe. Wer am objektiven Wahrheitsbegriff festh\u00e4lt, seine Kritik der kapitalistischen Gesellschaft als wissenschaftlich begr\u00fcndet vortr\u00e4gt, daraus gewisse politische Konsequenzen zieht und die b\u00fcrgerlichen Theorien als Ideologien bek\u00e4mpft, wird von den demokratischen Pluralisten im Wissenschaftsbetrieb ausgegrenzt. Gerade weil sie auf der Denknotwendigkeit ihrer Gesellschaftskritik beharren, gelten Marxisten als<br>Feinde der Demokratie. F\u00fcr den Staat h\u00f6rt hier der Spa\u00df auf, und er legt fest, unter welchen Bedingungen er ihnen die Lehrbefugnis entzieht und Berufsverbote ausspricht<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->","_de_post_name":"vortragsreihe-die-uni-im-kapitalismus","_de_post_excerpt":"","_de_post_title":"Vortragsreihe: Die Uni im Kapitalismus","_en_post_content":"","_en_post_name":"","_en_post_excerpt":"","_en_post_title":"","_es_post_content":"","_es_post_name":"","_es_post_excerpt":"","_es_post_title":"","edit_language":"es","footnotes":""},"categories":[10],"tags":[42,41],"class_list":["post-9192","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-termine","tag-kapitalismus","tag-vortrag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9192"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9194,"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9192\/revisions\/9194"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9193"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/asta-hannover.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}